Jāņi (Sommersonnenwende)

Jāņi ist das populärste Fest der Letten. An diesem Tag sind die Städte wie leergefegt und jeder Beamte und Bankkaufmann zeigt seine heidnische Seite. Die Feier war ursprünglich ein altes Fruchtbarkeitsfest nach der Saat und vor der Ernte.

Zum Fest kommen die Familien in ihren Landhäusern zusammen. Sie machen Sträuße und Kränze aus Kräutern, Blumen und Blättern. Die Frauen tragen traditionell Blumenkränze, die Männer aber haben Kränze aus Eichenlaub oder Zweigen. Das Vieh und auch die Zäune werden mit Kränzen geschmückt. Die Tore und Zimmer aber werden mit Birken-, Eichen- und Vogelbeerzweigen dekoriert.

latvian boy smiling with midsummer flowers

Die Letten singen, tanzen, essen und sind sehr lustig zu Jāņi. Käse mit Kümmel, Speckpiroggen und Bier sind ein Muss auf jedem Tisch. Die Menschen tanzen um das Freudenfeuer, springen darüber und feiern bis zum Sonnenaufgang. Verliebte Paare verlassen die Menge, um die „Blüte des Farnes“ zu suchen (es wird behauptet, dass sie nur in der Nacht von Jāņi blüht). 

lielupe midsummer celabration in latvia

Die Feier wurde einst am längsten Tag bzw. in der kürzesten Nacht des Jahres, dem 21.Juni, gefeiert. Die Christianisierung Lettlands hat das Datum auf den Vorabend des 24.Juni, den Tag des Heiligen Johannes (lettisch - Jānis), verschoben. In den 1960er Jahren haben die sowjetischen Behörden das Jāņi-Fest als nationalistische Feier verboten. Viele haben aber gegen das Verbot verstoßen und trotzdem ihre nationale Identität durch die traditionellen Feierlichkeiten zum Ausdruck gebracht.

burning bonfire in midsummer

Jānis ist der verbreitetste lettische Vorname für Männer. 

Ziemas saulgrieži (Wintersonnenwende)

Die längste Nacht des Jahres ist durch die Vermischung von ethnischen, religiösen und modernen Traditionen geprägt. Riga ist die Geburtsstätte des ersten Weihnachtsbaumes, der bereits 1510 aufgestellt und dekoriert wurde.

old riga in christmas time

Laut den Traditionen der alten Letten wurde an diesem Tag die Wiedergeburt der Jungfrau-Sonne gefeiert, ein Symbol für die Sonnenwende, nach der die Tage immer länger werden. Viele Menschen feiern Weihnachten als die Geburt von Jesus Christus, mit der vorherigen Adventszeit. Andere bevorzugen westliche Winterferien nach Art der kosmopolitischen Popkultur.

latvian christmas food

Das Wichtigste an diesem Feiertag – unabhängig von den Traditionen – ist jedoch, die Zeit mit der Familie zu verbringen. Bei einer traditionellen lettischen Mahlzeit sollen zwölf verschiedene Gerichte auf dem Tisch stehen. Eines der Gerichte sollte „graue Erbsen“ sein – je mehr Sie davon essen, desto weniger Tränen und Leiden erwarten Sie im nächsten Jahr.

Die Räume werden mit Gestecken aus Stroh, genannt „puzuri“, geschmückt. Diese werden an der Decke aufgehängt und manchmal wird auch eine Feder angebracht, um eine Rotation auszulösen, die Schattenspiele auf dem jeweiligen Hintergrund erzeugt.

Namenstage

Jeder Lette feiert seinen Namenstag, wie er im Kalender eingetragen ist. Der Namenstag macht dem Geburtstag Konkurrenz und ist mindestens genauso populär. Jeder Tag im lettischen Kalender enthält bis zu vier Vornamen, und es gibt einen Tag – den 22.Mai, an dem die Namenstage aller gefeiert werden, die  sonst nirgends genannt sind. Im Grunde steht diese Tradition im Zusammenhang mit dem Kirchenkalender der Heiligen, jedoch ist sie heutzutage praktisch säkular. Die Nationale Sprachagentur aktualisiert den Kalender alle zwei Jahre.

Am Namenstag bekommen die Träger des Vornamen sowohl Blumen, als auch Glückwünsche und kleine Geschenke. Sie feiern den Tag zusammen mit den Familien zu Hause und mit Kollegen am Arbeitsplatz. Im Unterschied zu einem Geburtstag ist es üblich, dass jeder zu einer Namenstagsparty ohne Einladung hinzukommen kann.

Friedhofsfest

“Man ist vom Besuch des Friedhofsfestes nur dann befreit, wenn man tot ist.”
/Eine Frau in Latgale/

Auf den ersten Blick seltsam anmutend, zeigen die Letten bei diesem Treffen der lokalen Gemeinde Respekt gegenüber ihren Vorfahren. Fast auf jedem Friedhof versammeln sich Großfamilien zu bestimmten Wochenenden im Sommer, vor allem auf dem Lande.  Lettische Bräuche, die dem heutigen Fest ähnlich sind, wurden durch die eingewanderten deutschen Katholiken schon 1428 dokumentiert.

Die Familien kleiden sich festlich und besuchen die Gräber ihrer Lieben. Sie pflegen die Gräber und schmücken sie mit frischen Blumen und Kerzen. Ein Priester hält eine Predigt und danach spielen lokale Musiker. In Latgale und Vidzeme ist das Fest extravaganter als in Kurzeme.